Ev.-Luth. Kirchgemeinde Dresden-Prohlis

Corona trifft Hebräer 13  

Der Predigttext für den 29. März 2020 steht im Hebräerbrief im 13. Kapitel, es sind dort die Verse 12 – 14:

12 Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. 13 So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. 14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.  -  Das hört sich zunächst einmal nicht gerade lebensbejahend an. Hört sich an  wie: Wir leben ja nicht ewig, also sollten wir uns schon jetzt auf das Jenseits konzentrieren!
Soll das etwa ein Trost sein für uns jetzt, in unserer Situation, in der Coronakrise? Egal was kommt, freut euch auf das Jenseits?
Schon als der Vers 2013 Jahreslosung war, regte sich Kritik: Auch Jesus hat gern gelebt! Wir leben als Christen doch nicht für das Jenseits, wir wollen das Diesseits mitgestalten!

 Der Vers davor fordert auch dazu auf:
So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen.

 Zu wem sollen wir das hinausgehen? Gemeint ist Jesus. Sein Kreuz wurde da errichtet, wo die Verbrecher hingerichtet wurden. Draußen, vor den Toren der Stadt.

 Müssen wir da überhaupt noch hinausgehen? Sind wir nicht durch Corona selbst schon hinausgejagt worden vor das Tor? Das Virus hat unser Leben im Griff. Sicherheit, Schutz, Geborgenheit, alles, was so eine Stadt zu bieten hat, ist seit Wochen ins Wanken geraten. Draußen: Wir können nur unser Möglichstes tun, aber wir haben es nicht in der Hand, was passiert. Wir können Corona nicht das Tor und die Türen vor der Nase zuschlagen. Wir sind draußen, vor den Toren der Stadt, rausgeworfen aus unserer Sicherheit und Behaglichkeit, aus dem Gefühl, Nichts und Niemand könne uns etwas anhaben.

Wir sind draußen, aber wir sind draußen nicht allein. Draußen hängt einer. Draußen hängt Jesus. Draußen ist deshalb kein gottloser Ort. Draußen hängt Gott selbst. Er verändert diesen Ort.
Draußen ist ein heiliger Ort, an dem Gott bei uns ist, auch jetzt in dieser für alle schwierigen Zeit. Gott ist da. Er hat sich nicht hinter die sicheren Stadtmauern zurückgezogen. Er ist bei uns, da wo es schwierig wird. Er ist bei uns in der Krise. Denn er selbst kennt die Krise, kennt die Todesangst. Gott ist bei uns. An ihn können wir uns wenden im Gebet mit unseren Sorgen und Ängsten.

Das Draußen gibt es nicht erst seit ein paar Wochen.   Manche waren auch schon vorher draußen:  

Draußen, der Obdachlose, der aus Angst davor im Nachtasyl beklaut zu werden, vor dem Eingang vom Supermarkt schläft.
Draußen, die Frau, die aus der Trauer um ihren verstorbenen Mann nicht herauskommt.
Draußen, der Junge, den sie mobben, weil er nicht dieselbe Meinung hat wie die anderen in der Klasse.
Draußen, die Menschen in Idlib und anderen Städten und Ländern, in denen die Krisenzeit schon der Normalzustand ist.

Manche werden draußen bleiben – auch nach der Coronakrise. Und die anderen, die dann wieder reinschlüpfen dürfen in die alte Sicherheit? Was ist mit denen? Einfach nur: Glück gehabt? Schnell hinter die Stadtmauer und Tor zu, damit nicht mehr von da draußen wieder reinkommen als einem lieb ist?

 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Keine bleibende Stadt. Es wäre doch schön, wenn sich die jetzige Stadt, unser jetziges Leben verändern würde durch das Coronavirus. Dahingehend, dass wir auch danach mehr aufeinander achtgeben. Mehr nachfragen, wie es dem anderen geht. Öfter unsere Hilfe anbieten. Öfter mal die Älteren, die Einsamen anrufen.

Die zukünftige Stadt suchen wir. Suchen: Nicht schon fertig sein mit der Welt. Suchende sein. Suchen nach der zukünftigen Stadt, in der es kein Draußen mehr gibt. An einer Stadt bauen, in der alle Platz haben. Suchende bleiben, danach, wie ein Leben in Gemeinschaft und Solidarität gelingen kann. Auch jetzt schon, in der Krise.

 Solange, bis wir die zukünftige, die bleibende Stadt finden.

 Bis sich die nicht bleibende in eine bleibende, unvergängliche Stadt wandelt.
Amen.

 Es grüßt Sie herzlich Ihre Pfarrerin Bettina Reinköster

Andacht zum Sonntag Judika - 29. März 2020 als PDF
Andacht zum Sonntag Lätare - 22. März 2020 als PDF

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In dieser Zeit werden auch die Sprechzeiten der Verwaltung ausgesetzt.


Fotomontage: Michael Sollfrank - Text: frei nach Neon Magazin Facebook

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