Ev.-Luth. Kirchgemeinde Dresden-Prohlis


Liebe Kirchspielgemeinde
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„Oh, wie süß!“ – das ist die natürliche Reaktion, wenn wir ein Lamm sehen. Lämmer sehen knuddlig aus, haben eine zarte Stimme, sind völlig ungefährlich und ohne jeden Argwohn: lammfromm sozusagen. Die weiße Farbe des Fells unterstreicht es für mich noch: Lamm und Unschuld gehören zusammen. Wir Menschen dagegen sind keine Unschulds-Lämmer. Gern versuchen wir uns unserer Schuld zu entledigen, indem wir sie auf andere schieben. Wir laden sie gern anderen auf und machen sie damit zum „Sündenbock“. Dieses Wort geht auf Luthers Bibelübersetzung zurück. Gemeint ist damit der Ziegenbock, dem der Priester am jüdischen Versöhnungstag symbolisch die Schuld des Volkes Israel auflud und ihn damit in die Wüste jagte, wo er starb. Der Bock wurde geopfert, damit Gott und sein Volk Israel wieder versöhnt waren. (3.Mose 16,3–26) Dieses Ritual hatte Johannes der Täufer wohl im Blick, als er über Jesus sagte (Joh 1,29): „Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!“ Er deutet Jesus als den „wahren Sündenbock“. Im Vertrauen darauf, dass Jesus unsere Schuld auf sich genommen und uns durch seinen Tod mit Gott versöhnt hat, feiern wir das Heilige Abendmahl und singen: „Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, erbarm dich unser.“ Das Lamm als Opfertier gehört auch zum jüdischen Pessach-Fest, das im Gedenken an die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei gefeiert wird. Damit die Israeliten von Gottes Todesengel verschont bleiben sollten, schlachteten sie auf Gottes Anweisung hin ein Lamm, mit dessen Blut sie den Eingang ihres Hauses kennzeichneten; das Tier brieten und verzehrten sie. Der Todes-Engel verschonte die Israeliten; das Blut des Lammes wurde so zum Zeichen des Lebens. - Das Foto auf dem Deckblatt [unseres Kirchspielbriefes] zeigt ein Detail der Kanzel in der evangelischen Kirche in Neudorf/Erzgebirge. Das Lamm sitzt auf der Brüstung der Kanzel und lächelt. Lächelnd schaut es seit 320 Jahren auf die Menschen, die unter ihm in den Kirchenbänken sitzen und singen, beten, schlafen; die froh, bedrückt, zweifelnd, gelangweilt oder begeistert den Gottesdienst verfolgen. Lächelnd blinzelt es den Menschen zu, die auf der Empore gegenüber musizieren. Lächelnd trägt es auch auf seinem Rücken ein Pult, auf dem die Pfarrerin oder der Pfarrer die Bibel und das Predigtkonzept ablegen. Lächelnd hört es, wie sie das Wort seines Vaters verkündigen. Hier ist Gottes Lamm dargestellt, sonst wäre es wohl nicht mit Goldfarbe überzogen. - Ich glaube, dass Gott wirklich so geduldig ist, wie dieses lächelnde (geschnitzte) Lamm; und dass er nicht über uns lacht, sondern auf uns wartet, ohne die Geduld zu verlieren. Ich hoffe, dass Sie diese Güte und Freundlichkeit in Ihrem Leben immer wieder gespürt haben. Und ich hoffe, dass es auch so bleibt. Denn darauf können Sie sich verlassen: das Lamm lächelt auch Ihnen zu.
Andrea Grothe

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